Kopfhörer zum Schlafen im Test: Schlafkopfhörer und fürs Bett

Probleme beim Einschlafen? Da kann entspannte Musik oder ein beruhigender Gute-Nacht-Podcast helfen – gehört über einen speziellen Schlafkopfhörer. Manchmal möchte man auch einfach nur seine Ruhe und braucht die schalldämmenden Bose Sleepbuds oder eine entsprechende Alternative mit Noise Cancelling. GIGA-Audioexperte Stefan hat unterschiedliche Kopfhörer zum Schlafen ausprobiert und schildert seine Erfahrungen im großen Vergleich.

Inhaltsverzeichnis: Schlafkopfhörer-Test 2021

    1. Schlafkophörer im Test: Navly Stirnband mit Bluetooth
    2. Noise-Cancelling-Sleepbuds im Test: QuietOn Sleep
    3. Alternative: Bose Sleepbuds II

Eines vorweg: Schlaf und Schlafprobleme betreffen physische und psychische Aspekte der Gesundheit. GIGA kann hier keine fachlichen Ratschläge geben, sondern ausschließlich einen Überblick über die Gattung der „Schlafkopfhörer“ liefern, die bei der Entspannung behilflich sein können. Bei ernsthaften Einschlafproblemen und Schlafmangel empfiehlt es sich unbedingt, ärztlichen Rat einzuholen. Ein möglicher Startpunkt ist dabei die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), die Informationsmaterial (PDF) und Kontaktdaten zu Schlaflaboren in Deutschland bereitstellt.

Kopfhörer zum Schlafen: Was ist das und welche Arten gibt es?

Natürlich kann man jedes beliebige „normale“ Kopfhörermodell zum Einschlafen tragen – aber spätestens, wenn man seitlich auf einem Kopfkissen liegt, sind herkömmliche Kopfhörer störend. Over-Ear-Modelle verschieben sich und können durch den Druck kaputt gehen, In-Ears stechen unangenehm in den Ohrkanal oder gehen verloren. Statt jeden Abend im Dunkeln die AirPods zwischen den Bettlaken zu suchen, sollte man sie lieber auf dem Nachtisch liegen lassen und sich eine besser geeignete Lösung anschaffen: Kopfhörer zum Schlafen.

Der Begriff „Schlafkopfhörer“ ist nicht eindeutig definiert und kann unterschiedliche Bauweisen und Zwecke betreffen. Wir unterscheiden in dieser Kaufberatung zwischen:

  1. Kabellose Bluetooth-Kopfhörer, die Musik abspielen können und aufgrund ihrer besonderen Bauweise im Bett zum Schlafen getragen werden können.
  2. Geräuschdämpfende Ohreinsätze („Sleepbuds“), die in erster Linie Umgebungslärm blockieren und so für Ruhe und besseres Einschlafen sorgen sollen.
Schlafkopfhörer Navly Bluetooth Stirnband

Schlafkopfhörer Navly Bluetooth Stirnband

Ein echter Bestseller ist das Stirnband für knapp 15 Euro bei Amazon, das unter zahlreichen Bezeichnungen vertrieben wird (unter anderem Navly, Emore und Hanpure) Wir haben den Schlaf- und Sportkopfhörer einige Tage und Nächte getestet und können den positiven Kundenrezensionen weitestgehend zustimmen. Es handelt sich im Prinzip um ein elastisches Stirnband, das schlauchförmig ist und in dem sich Kopfhörertechnik befindet: Zwei runde Flach-Lautsprecher links und rechts, ein in das Stoffmaterial eingelassenes Tastenfeld vorne und ein Schlitz mit Micro-USB-Stecker hinten.

“Navly Schlafkopfhörer”: Einfache Verarbeitung, mittelmäßige Soundqualität und guter Tragekomfort (Bild: GIGA)

Die Verarbeitungsqualität ist einfach gehalten und erinnert an eine Sportleggins, die man beim Discounter auf dem Wühltisch findet: Hier und da steht ein Stückchen des Garns ab, wahrscheinlich wird früher oder später die eine oder andere Stelle der natürlichen Abnutzung nicht standhalten. Eher ein Produkt, das die nächsten zwei bis drei Jahre seine Zweck erfüllt, als eine Anschaffung fürs ganze Leben. Bei dem zugegebenermaßen günstigen Preis ist das aber in Ordnung.

Die Verarbeitungsqualität des Navly Schlafkopfhörers ist allenfalls ausreichend (Bild: GIGA)

Der Tragekomfort ist ausgesprochen gut. Das anfangs etwas enge Stirnband dehnt sich nach einigen Tagen aus und wird so bequemer. Trotzdem sitzt es sicher auf dem Kopf, sodass man damit auch joggen gehen oder Yogaübungen machen kann. Wenn es sein muss, kann man es während dem Schlafen die ganze Nacht auflassen – allerdings mit „haarsträubenden“ Folgen für die Frisur am nächsten Tag. Seitenschläfer werden feststellen, dass die flachen Lautsprecher kaum Druck aufs Ohr ausüben – allerdings wird einer der Lautsprecher dann durch das Kopfkissen fester an den Kopf gedrückt, wodurch der Klang auf der Seite etwas lauter und dumpfer erscheinen kann. Das lässt sich nur durch zielgenaue Einstellungen im Equalizer anpassen. Besser: Das Kopfkissen so formen, dass im Bereich des Lautsprechers etwas „Luft“ ist.

Anfangs ist der Navly Schlafkopfhörer etwas eng, was sich aber mit der Zeit bessert (Bild: GIGA)

Die Klangqualität des Navly Kopfhörer-Stirnbands ist nicht mit guten Kopfhörern zu vergleichen, da sollte man sich keine falschen Hoffnungen machen. Die Mitten sind in Ordnung, es ist auch ein wenig Bass vorhanden. Die Höhen sind aber blechern und lassen manche Songs klingen, wie aus einem Plastik-Küchenradio. Für Podcasts und Hörspiele ist der Sound aber absolut ausreichend. Auch für die morgendliche Laufrunde mit der Lieblingsplaylist oder als „Einschlafkopfhörer“ beim Netflix schauen auf dem Handy/Tablet ist gegen das Navly Stirnband klanglich nichts einzuwenden. Es ist aber sicherlich kein Instrument für den gehobenen Musikgenuss.

Geladen wird der Navly Schlafkopfhörer wie ein Handy, per Micro-USB (Bild: GIGA)

Tipp: Die Lautsprecher lassen sich im „Stoffschlauch“ flexibel zurechtrücken, sodass sich der Klang nach dem Aufsetzen noch etwas optimieren lässt. Je mittiger die Lautsprecher auf den Ohrkanälen positioniert sind, desto besser der Sound. Eine Abschirmung von Umgebungsgeräuschen ist praktisch nicht vorhanden. Auch hört der Bettnachbar schon bei mittlerer Lautstärke unfreiwillig mit, dass da gerade Musik läuft – in etwa so, wie wenn jemand normal mit dem Handy telefoniert und man direkt daneben steht. An die Bedienung auf der Stirn muss man sich gewöhnen. Es hilft nichts daran vorbei, auswendig zu lernen, wo welcher Button liegt – man kann es schließlich nicht sehen, wenn man das Stirnband gerade trägt. Bei den ersten Versuchen hilft ein Spiegel, danach hat man den Dreh raus.

Hier gut zu sehen sind die runden Lautsprecher, die sich im Stirnband ein wenig verschieben lassen (Bild: GIGA)

Fazit: Ein interessantes Produkt, dieses Kopfhörer-Stirnband. Klanglich keine Offenbarung, dafür aber recht bequem zu tragen und vor allem preislich ausgesprochen günstig. Zumindest als „Bettkopfhörer“ fürs YouTube-Schauen deutlich besser geeignet als herkömmliche In-Ears. Für Sportler lohnt es sich aber eher, deutlich mehr Geld in spezielle Sportkopfhörer zu investieren.

Schlafkopfhörer Navly Bluetooth Stirnband

Schlafkopfhörer Navly Bluetooth Stirnband

Vorteile:

Nachteile:

  • Blecherner Sound: Nichts für den ernsthaften Musikgenuss, aber ausreichend für Podcasts und YouTube
  • Einfache Verarbeitungsqualität, begrenzte Haltbarkeit

Navly Stirnband-Kopfhörer: Testwertung

  • Klang: 45 Prozent
  • Tragekomfort: 80 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 75 Prozent
  • Akku: 75 Prozent

Gesamt: 69 Prozent 

Zum Thema Schlaf sollte man auch über die Apple Watch informieren:

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Noise-Cancelling-Sleepbuds im Test: QuietOn Sleep

QuietOn Sleep Ohrstöpsel mit Active Noise Cancelling

QuietOn Sleep Ohrstöpsel mit Active Noise Cancelling

QuietOn ist uns kein Unbekannter – wir hatten bereits ein sehr ähnliches Produkt des Herstellers im Test. Damals fiel mein Urteil positiv aus, wenngleich ich den Preis überzogen fand. In der Zwischenzeit hat sich einiges im Bereich der True-Wireless-Kopfhörer getan: Mittlerweile bieten Modelle wie die Apple AirPods Pro oder die Libratone Track Air+ auch aktive Geräuschunterdrückung und spielen zudem noch Musik in guter Klangqualität ab. Diese Konkurrenz gab es damals noch nicht – es stellt sich also die berechtigte Frage, wozu ein Produkt wie der QuietOn Sleep für rund 200 Euro gut sein soll, der außer Noise Cancelling (ANC) nichts zu bieten hat. Es handelt sich technisch gesehen um „High-Tech-Oropax“, die keine Klangsignale abspielen können. Ein vergleichbares Produkt gab es einige Zeit lang auch von Bose: Die „Noise-masking Sleepbuds“ wurden allerdings aufgrund von Akkuproblemen eingestellt.

QuietOn Sleep: Kompakt und ausdauernd – aber kein echter Kopfhörer, sondern ein Gehörschutz (Bild: GIGA)

Nun, der entscheidende Faktor dürfte die Größe sein. Die beiden Gehäuse des QuietOn Sleep sind ausgesprochen kompakt – auf jeden Fall eine Spur platzsparender als die meisten True-Wireless-Kopfhörer. Dank flexiblen Memory-Schaum-Aufsätzen werden die Ohrkanäle zuverlässig abgedichtet – dabei entsteht aber auch das typische „Korken-in-den-Ohren-Gefühl“, an das sich nicht jeder gewöhnen kann. Ansonsten ist das Tragegefühl okay, nichts drückt unangenehm. Die kann man durchaus einige Stunden am Stück tragen.

QuietOn Sleep: Die Memory-Schaum-Aufsätze dichten besonders zuverlässig die Ohrkanäle ab (Bild: GIGA)

Sobald die Gehäuse eingesetzt sind, hört man … eigentlich nichts. Genau das ist die Aufgabe dieses Gadgets: Es bietet den Lärmschutz herkömmlicher Ohrstöpsel und filtert zudem tiefe Frequenzen per Gegenschall elektronisch aus. Zum Test der Effektivität habe ich Aufnahmen von Flugzeugkabinengeräuschen mit einem tieffrequenten Sinuston (60 Hz) kombiniert und bei gehobener Lautstärke laufen lassen. In der Tat filtert der QuietOn Sleep vor allem den Bassanteil hörbar besser aus, als die zum Vergleich heran gezogenen Oropax Soft für knapp 5 Euro.

QuietOn Sleep und Apple AirPods Pro (rechts) im Vergleich (Bild: GIGA)

Die Ernüchterung kam dann aber, als ich meine AirPods Pro (ca. 230 Euro) danach eingesetzt habe. Hier ist das Noise Cancelling nochmals wirkungsvoller und drängt den Lärm etwas besser in den Hintergrund. Dass es sich dabei auch noch um vollwertige Kopfhörer zum Musikhören und Telefonieren (Headset) handelt, lässt eigentlich nur noch ein Urteil zu …

Fazit: Der ANC-Gehörschutz QuietOn Sleep ist hoffnungslos überteuert und nur in wenigen Fällen zu empfehlen. Wenn es um das Ausblenden tiefer Frequenzen geht, dabei möglichst wenig Platz im Ohr verbraucht werden soll (Schlaftauglichkeit) und die Akkulaufzeit von bis zu 20 Stunden entscheidend ist – nur dann sollte man dieses Gadget in Betracht ziehen. Der Kaufpreis ist mit Blick auf die gute Auswahl an True-Wireless-Kopfhörern mit Noise Cancelling nicht zu vertreten – außer natürlich, wenn Geld überhaupt keine Rolle spielt. Für eine ruhige Nacht sind normale Ohrstöpsel aus Schaumstoff und ohne ANC-Technik auch gut geeignet und für Flugreisen holt man sich lieber die AirPods Pro, die Sony WF-1000XM3 oder die Libratone Track Air+.

QuietOn Sleep Ohrstöpsel mit Active Noise Cancelling

QuietOn Sleep Ohrstöpsel mit Active Noise Cancelling

Vorteile:

  • Sehr kompaktes Gehäuse
  • Filtert tiefe Frequenzen mit ANC aus und sorgt für Ruhe
  • Akkulaufzeit reicht locker für die ganze Nacht

Nachteile:

  • Viel zu teuer: Sollte höchstens ein Viertel des Preises kosten
  • Spielt keine Musik ab

QuietOn Sleep ANC-Ohrstöpsel: Testwertung

  • Noise Cancelling: 60 Prozent
  • Tragekomfort: 60 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 40 Prozent
  • Akku: 75 Prozent

Gesamt: 59 Prozent 

Alternative von Bose: SleepBuds II

Der Produktname deutet es bereits an: Die „Bose Sleepbuds II“ sind die zweite Generation „Schlafkopfhörer“ des amerikanischen Audio-Herstellers. Die erste Version wurde im September 2018 vorgestellt, aber bereits ein Jahr später nicht mehr vertrieben. Der Grund war damals, dass „der Akku nicht so konstant und zuverlässig funktioniert, wie er sollte“, so das offizielle Statement.

Bose Sleepbuds II: Kein Kopfhörer im eigentlichen Sinne, sondern eher ein High-Tech-Lärmschutz mit dazugehöriger Schlaf-Klänge-App (Bild: Hersteller)

Mittlerweile gibt’s also einen Nachfolger, der rundum verbessert wurde und die Probleme des Vorgängers hinter sich lässt. Die Sleepbuds II kosten stattliche 269 Euro (UVP). Sie sehen zwar aus wie In-Ear-Kopfhörer, können aber nicht zum Streamen von Musik oder Podcasts verwendet werden. Stattdessen handelt es sich um ein Gadget zur Geräuschdämmung, dass aufgrund seiner Bauweise das Ohr passiv vor schnarchenden Bettnachbarn und Verkehrslärm abschirmt.

Bose Sleepbuds II - Beruhigende Klänge für einen besseren Schlaf

Bose Sleepbuds II – Beruhigende Klänge für einen besseren Schlaf

Zu den Sleepbuds II gehört eine passende Handy-App, die beruhigende Klänge (Meeresrauschen, Synthie-Sounds etc.) erzeugt und über die Sleepbuds II abspielt. Zusammen mit der passiven Dämmung wird so der Umgebungslärm „maskiert“ und das Einschlafen erleichtert. Die Testberichte sind positiv, so bescheinigt das US-Magazin The Verge einen „hohen Tragekomfort“ und lobt die Auswahl an Einschlafklängen. Kritisiert wird der hohe Preis. Das Urteil deckt sich mit den Erfahrungen, die auf Gizmodo geschildert werden.

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