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Elektromobilität ohne private Ladestation: 12 Elektroauto-Fahrer*innen berichten



Gerade keine Zeit?

Häufig heißt es, Elektromobilität sei nur für diejenigen eine Option sei, die daheim eine private Ladestation haben. Wir haben mit zwölf Elektroauto-Fahrer*innen gesprochen, bei denen das (noch) nicht der Fall ist.

Seitdem die Bundesregierung den Umweltbonus massiv erhöht hat, erleben Elektroautos einen regelrechten Boom. Die Zulassungszahlen sind bereits 2020 rasant in die Höhe geschossen. Wer einen eigenen Stellplatz oder gar eine Garage hat, erhält inzwischen sogar 900 Euro Förderung für eine Wallbox.

Aber ist ein Elektroauto auch für diejenigen eine Option, die zur Gruppe der „Laternenparker“ gehören? Wie sieht der Alltag von Elektroauto-Fahrer*innen aus, die auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen sind? Dieser Frage sind wir nachgegangenen und haben die Geschichten von zwölf Personen mit unterschiedlichen Profilen und Lebensumständen zusammengetragen.

Jens (34) aus Mannheim:

Fast fertig!

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Ich hatte bis Anfang 2019 als Außendienstler immer einen Firmenwagen. Erst durch den Berufswechsel war ich dann erstmals wirklich mit dem Thema Autokauf konfrontiert. Nach Gedanken über gebraucht oder neu und eventuell Finanzierung, kam ich dann aufs Privat-Leasing – und wenn schon neu, dann sollte es auch was Umweltfreundliches sein. 

Außerdem waren für mich variable Kosten ein Thema, also Reparaturen und Wartung sowie das Tanken. Die Wartung ist durch das Leasing abgedeckt und das Stromtanken wirkte nach etwas Rechnerei mit benötigten Kilometern und Preisen auch attraktiver. Geworden ist es dann ein Renault Zoe mit einem 41-Kilowattstunden-Akku. Damals noch ohne Schnellladefunktion.

Dass wir keine private Ladestation hatten, spielte für mich nie eine Rolle. Mir war von Anfang an klar, dass in der Miettiefgarage keine private Lademöglichkeit vorhanden sein wird und öffentliches Laden angesagt ist. Da bei uns in der Straße damals allerdings gerade eine öffentliche Säule gebaut wurde, sah ich darin kein Problem.

Der Alltag sieht dann aber ganz anders aus. Diese Ladesäule, die ganze drei Gehminuten entfernt ist, habe ich in zwei Jahren vielleicht fünf Mal genutzt. Und dann nicht für Vollladungen, sondern für „Top-ups“ vor längeren Fahrten. Es stellte sich nämlich heraus, dass es wesentlich mehr kostenlose Lademöglichkeiten als gedacht gibt (noch). Die Mannheimer Parkhausbetriebe bieten kostenloses Laden an und damit ist jeder Kinobesuch, Stadtbummel, Arztbesuch oder Ähnliches automatisch ein Ladestopp. 

Technisch hatte ich bisher kaum Probleme mit den Säulen in und um Mannheim. Dafür nahm die Besetzung der Parklücken durch Nicht-Stromer – auch in den Parkhäusern – leider zu. Zumindest fiel es mir immer öfter auf. Außerdem wurden zuletzt die tatsächlichen Leistungen der (kostenlosen) Säulen reduziert. Ab und an setzt mal die Shell-Recharge-App aus, dafür habe ich dann aber noch die Plastikkarte. EnBW funktionierte für mich bisher auch immer sehr zuverlässig. Ach ja, und bei Ikea sollte man nicht mit komplett leerem Akku ankommen.

Alles ins allem bin ich mit der Ladeinfrastruktur in Mannheim sehr zufrieden. Ich würde mir aber wünschen, dass Arbeitgeber und Vermieter von sich aus Ladeinfrastruktur aufbauen/fördern würden. Der öffentliche Ausbau muss natürlich auch weitergehen, da es inzwischen schon mal voll wird an den üblichen Ladeplätzen.

Wer keine private Ladestation hat, nutzt häufig den Einkauf oder andere Freizeitaktivitäten, um sein Elektroauto aufzuladen. (Bild: Netze BW)

Nadine (33) aus Saarbrücken:

Die Entscheidung für ein E-Auto fiel im April 2020. Eigentlich habe ich gar nicht unbedingt nach einem E-Auto gesucht, ich wollte einfach ein neues Auto, da mein alter Peugeot langsam aber sicher auseinanderfiel. Daher habe ich mich nach Kleinwagen umgeschaut und bin so auf den neuen Peugeot 208 gekommen. Da ich die Idee von Elektroautos gut finde, meist nur Kurzstrecken fahre und durch die staatliche Förderung der Unterschied zum Verbrenner eher gering war, habe ich mich schlussendlich für die E-Variante entschieden.

Ich habe vorab mit meinem Vermieter Rücksprache gehalten, ob der Einbau einer Ladestation möglich wäre – und eine positive Rückmeldung erhalten. Das hat mich in meinem Entschluss nochmals bestärkt. Da Elektriker momentan aber schwer zu bekommen sind, ist die Station nach wie vor nicht gebaut – und so lade ich ausschließlich öffentlich.

Man sollte sich auf jeden Fall darüber bewusst sein, dass das Laden an öffentlichen Stationen teurer ist, als das Laden in der heimischen Garage. Ich habe mir damals einen Anbieter (Chargemap) rausgesucht, der in meinem nahen Umkreis verschiedene Ladestationen anbietet, aber keine monatlichen Kosten erhebt (nur einmalig 20 Euro für die Ladekarte). Zu einer dieser Stationen fahre ich mein Auto und starte den Ladevorgang. Dann gehe ich zu Fuß nach Hause (1,3 km) und hole es am selben oder nächsten Tag ab. Ich versuche das Laden so zu legen, dass ich das Auto Sonntags lade, um etwaigen Einkäufern nicht den Platz zu nehmen. Geklappt hat das bislang immer problemlos. Als die Ladesäule einmal eine Fehlermeldung angezeigt hat, genügte ein Anruf beim Betreiber und das Problem wurde behoben.

In Hinblick auf die Ladeinfrastruktur wünsche ich mir vor allem bessere und übersichtlichere Möglichkeiten der Bezahlung. Wieso man für quasi jede Säule fünf verschiedene Anbieter nutzen kann, und nicht einfach per Smartphone oder Kreditkarte zahlen kann, ist mir nicht klar. Außerdem müsste zuverlässiger darüber informiert werden, ob eine Säule frei ist.

Aufgrund dessen bin ich am Ende des Tages auch ganz froh, dass das öffentliche Laden für mich nur eine Übergangslösung ist. Es hat bislang zwar problemlos geklappt, aber eine eigene Ladestation ist für mich am Ende dennoch die praktikablere Lösung.

Sebastian (40) aus Pforzheim: 

Das Leasing für den VW Polo meiner Frau ist im Dezember 2020 ausgelaufen. Im Frühjahr 2020 haben wir uns also nach einem Nachfolger umgeschaut. Wir suchten ein Fahrzeug in ähnlicher Größe und zu ähnlichen Kosten. Es ist unser Zweitwagen, welcher zu 95 Prozent innerhalb Pforzheims bewegt wird. Etwa 5.000 Kilometer im Jahr. Das Leasing für meinen Diesel läuft leider noch zwei Jahre und da sah ich die Chance, endlich in die E-Mobilität einzusteigen und zu schauen, wie das so im Alltag klappt. Zumal wir ja zu Hause nicht laden können. Das „Risiko“ bei so einer geringen Kilometerleistung war jedoch überschaubar. Und so wurde es ein Renault Zoe.

Tatsächlich haben wir aufgrund der fehlenden privaten Ladestation zunächst gezögert. Wir wohnen in einem Reihenmittelhaus, bei dem es leider keine Möglichkeit gibt, ein Auto direkt davor abzustellen. So haben wir auch keine Möglichkeit, eine Wallbox irgendwo anzubringen. Also bleibt nur das öffentliche Laden. Und das klappt problemlos: Meine Frau parkt während der Arbeit auf einem großen Parkplatz, der über eine Ladesäule verfügt. Auch bei unserem Sportstudio und auf den Parkplätzen unserer Supermärkte gibt es Ladestationen. Manchmal fahre ich auch aus reinem Interesse abends zu einer Ladestation in der Umgebung und verbinde das mit einem kurzen Spaziergang.

Und jetzt kommt der Clou: Ich habe im August 2020 bei der Firma On Charge eine Ladesäule für unser Wohngebiet beantragt. Schon in ein paar Monaten könnte der Bau beginnen und ich hätte hier dann eine Ladesäule, die ich in drei Minuten zu Fuß erreichen kann.

Probleme hatten wir bisher keine. Von den DC-Ladern bin ich noch etwas enttäuscht. Die theoretische 50-Kilowatt-Ladeleistung habe ich bisher nie erreicht. Maximal waren 35 Kilowatt drin. Liegt vermutlich an den winterlichen Temperaturen. Der gefahrene Kilometer kostet uns etwa halb so viel wie mit dem Benziner.

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass es deutlich mehr Ladesäulen gibt – gerade auf den Parkplätzen von Supermärkten, Baumärkten und so weiter. Gerade wenn diese auch noch kostenlos sind, sind sie dauerbelegt. Ich bezahle gerne, wenn sie zuverlässig frei sind und funktionieren – am besten mit Apple Pay oder Kreditkarte. Dabei sollte der zu zahlende Preis klar und deutlich auf der Säule stehen. Persönlich finde ich das mit den Ladekarten sehr umständlich und undurchsichtig.

Porsche Taycan – EnBW-Schnelllader

Transparente, einheitliche Preise für die Ladeinfrastruktur, wie sie beispielsweise EnBW bietet, sind nach wie vor Mangelware.

Anna-Lena (31) aus Hamburg:

Ich habe mich im November 2019 für einen VW E-Up entschieden. Zu dem Kauf haben mich mehrere Faktoren bewegt: Die kostenlose Lademöglichkeit und ein Stellplatz in der Tiefgarage bei meinem Arbeitgeber (den ich mit einem Verbrenner nicht gehabt hätte), das lokale Förderprogramm für Pendler sowie der Umweltbonus. Eine weitere wichtige Rolle spielte aber bereits im Vorfeld, dass es aus Umweltgründen ein rein elektrisches Auto werden sollte.

Dass ich keine private Lademöglichkeit habe, hat mich nie zögern lassen. Einerseits wusste ich, dass ich bei meinem Arbeitgeber laden kann. Andererseits haben wir in Hamburg eine recht gut ausgebaute Ladeinfrastruktur. Seit Mitte Oktober 2020 ist das Auto auf mich zugelassen. Seitdem – immerhin wurden bereits rund 3.100 Kilometer zurückgelegt – musste ich in meinem Alltag in Hamburg und Umland nur selten öffentlich laden. Und wenn, funktionierte alles reibungslos.

Wo ich allerdings Nachholbedarf sehe, ist im ländlichen Raum. Gerade auch mit Blick auf die Ausflugsorte an der Nord- und Ostsee sowie die Randgebiete von Hamburg. Hier wären mehr öffentliche Ladesäulen wünschenswert.

Max (22) aus Karlsruhe:

Ich komme mit dem ÖPNV nicht zur Arbeit und das Fahrrad ist für mich gerade im Winter keine Alternative. Mich hat die Elektromobilität schon immer sehr interessiert. Da viele Strecken doch eher Kurzstreckenfahrten sind, habe ich mich in Anbetracht der ganzen Nachteile bei Verbrennern für einen Peugeot E-208 entschieden.

Eine private Ladestation war für mich nicht realisierbar. Es gibt keine privaten Stellplätze, ich bin sozusagen der klassische Laternenparker. Aufgrund der Vielzahl der Autos musste ich so oder so auch mal drei Minuten Fußweg einplanen. Zur nächsten öffentlichen Ladestation sind es fünf Minuten. Vor Corona, als ich mich für das Fahrzeug entschieden habe, hätte ich auf der Arbeit jeden Tag laden können. Aber selbst jetzt vermisse ich eine private Ladestation daheim nicht.

Entweder lade ich an der öffentlichen Station bei mir in der Nähe, oder bei anderer Gelegenheit, etwa während des Einkaufs oder wenn ich Auswärtstermine habe. Das klappt problemlos. Eine Sache stört mich derzeit allerdings: die Blockiergebühr an AC-Ladestationen, die manche Netzbetreiber derzeit erheben. Nach vier Stunden ist die leere Batterie meines Autos an einem AC-Lader einfach noch nicht voll und wenn am Morgen eine längere Fahrt ansteht, ist das ein Problem.

Grundsätzlich wäre es wünschenswert, dass die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut wird. In Baden-Württemberg sind wir gut aufgestellt. In Urlaubsregionen wie Mecklenburg-Vorpommern dagegen, ist die Infrastruktur deutlich schlechter. Ziel muss ein flächendeckendes, zuverlässiges Ladenetzwerk sein.

Oliver (38) aus Nürnberg:

Die Entscheidung zum Elektroautokauf habe ich Mitte 2019 getroffen. Der Vorgänger war einer der ersten VW Blue-TDI – und vom Dieselskandal betroffen. Damit verbunden war die Enttäuschung über den Umgang der Automobilindustrie mit dem Skandal und die Erkenntnis, dass in der Branche keine grundsätzliche und ehrliche Auseinandersetzung mit neuen Technologien geführt wird. Nachdem ich mich mit den Alternativen beschäftigt hatte, war klar, dass sich gerade ein anderer Hersteller einen großen Vorsprung sichert. 

In die Überlegungen sind natürlich viele Unsicherheiten eingeflossen: Reicht es wenn, du nur beim Arbeitgeber laden kannst? Wie ist es um die tatsächliche Reichweite und das Servicenetz bestellt? Wie sieht der Wiederverkaufswert aus? Deshalb habe ich das Model 3 für ein ganzes Wochenende Probe gefahren und festgestellt, dass ich den Versuch mit der neuen Technologie gerne wagen möchte. Bei der Probefahrt habe ich an den 3,5 Tagen rund 1.500 Kilometer zurückgelegt – und auf der Langstrecke von Nürnberg bis Stuttgart auch erlebt, welche Sicherheit das Supercharger-Netzwerk bietet. Und so wurde es ein Model 3.

Bisher bin ich in einem Jahr etwas über 15.000 Kilometer mit dem Fahrzeug gefahren und habe dabei ausschließlich die öffentliche Ladeinfrastruktur genutzt. Insbesondere auf mittleren Strecken erfordert das schon ein wenig mehr Planung und auch einen etwas höheren Zeitaufwand, als das Fahren mit einem konventionellen Fahrzeug. Auch der Alltag erfordert, zwischendurch einen Ladestopp einzuplanen. Diese Zeit nutze ich häufig für Telefonate oder E-Mails, aber auch die Entertainment-Funktionen werden gerne genutzt. 

Die Ladeinfrastruktur ist im vergangenen Jahr erheblich ausgebaut worden, zum Beispiel durch Schnelllader an Tankstellen. Gerade die 22-Kilowatt-Ladesäulen der Stadtwerke bieten zwar ein Akku-schonendes Laden, aber bei dem 11-Kilowatt-Ladenschluss des M3 ist die Ladegeschwindigkeit leider nicht optimal. Trotz des Zuwachses muss der Ausbau weiter vorangetrieben werden, denn sowohl an öffentlichen Ladern als auch am Supercharger entstehen zu Stoßzeiten immer auch mal wieder Staus. Hier stellt der Zuwachs an Plug-In-Hybriden einen zusätzlichen Druck auf die Ladesäulen dar. Diese Fahrzeuge blockieren teilweise mit sehr geringen Ladeleistungen Ladesäulen – und der reine Elektro muss mangels alternativem Antrieb warten. 

Auch die Transparenz der Ladetarife sollte sich noch weiter verbessern. Insbesondere ein Schnelladenetzwerk der deutschen Automobilindustrie zeigt im Vergleich mit den Preisen am Supercharger, dass die Geschäftspolitik nicht unterschiedlicher sein könnte.

Zuletzt noch eine Anmerkung zum Verkehr insgesamt: Die Elektromobilität leistet insbesondere dann einen Beitrag zum Klimaschutz, wenn sie Teil eines Gesamtkonzepts der Mobilität darstellt. Und dass sich Mobilität insgesamt verändern kann, zeigen die Veränderungen durch Corona in der Arbeitswelt ganz besonders: im vergangenen Jahr habe ich überwiegend im Homeoffice gearbeitet. Das Laden beim Arbeitgeber spielte nahezu keine Rolle.

Tesla Supercharger. (Foto: Tesla)

Das Supercharger-Netzwerk von Tesla sehen viele als Vorbild. (Foto: Tesla)

Tomás (25) aus Hohenstein im Taunus

Endgültig für ein Elektroauto entschieden habe ich mich im Januar 2020. Ich habe mich vorher schon für alles interessiert, was Elektroautos anging. Mir war wichtig, dass mein erstes Auto zumindest lokal emissionsfrei fährt und über seine gesamte Lebenszeit eine bessere CO2-Bilanz als ein Verbrenner hat. Am Ende wurde es dann der Peugeot E-208, in den ich mich schon bei der Probefahrt direkt verliebt habe.

Vor dem Kauf war eine eventuelle Wallbox noch kein Thema, da ich zu diesem Zeitpunk in einer kleinen Stadtwohnung gelebt habe. Als ich dann eine neue Wohnung gesucht habe, habe ich aber natürlich bei den jeweiligen Vermietern nachgefragt, ob eine Wallbox theoretisch denkbar wäre. Das ist jetzt auch der Fall und die Installation bereits geplant. Aber bislang laden wir noch ausschließlich öffentlich.

Aktuell sieht der Alltag als „Laternenparker“ so aus, dass wir während des Einkaufs kostenlos mit elf Kilowatt laden können, und so zumindest den Energieverbrauch zum und vom Einkaufen wieder reinholen. Für alles andere steht im Ort zwei Kilometer weiter eine öffentlich 22-Kilowatt-Ladesäule, die wir gelegentlich anfahren. Bisher kommen wir damit gut zurecht. Für den Fall, dass mal eine längere Fahrt ansteht, gibt es an der Autobahn aber auch noch Schnelllader.

Mir persönlich wäre es wichtig, dass öffentliche Einrichtungen ausnahmslos an ihren Stellflächen Typ-2-Ladesäulen anbringen. Auch sollten Einkaufsläden weiter aufrüsten. Zwei Typ-2-Ladepunkte für einen Lidl ist auf lange Sicht gesehen doch etwas wenig. Mit Hinblick auf den ländlichen Raum würde ich mir zudem wünschen, dass auch mal Schnelllader „in die Pampa“ gestellt werden und nicht nur an die Autobahn.

Karim (24) aus Grevenbroich:

Ich habe mich für ein Tesla Model 3 entschieden, weil ich aufgrund eines Jobwechsels meinen Firmenwagen abgeben musste und mein erstes eigenes Auto ein E-Auto sein sollte. Zu Ende 2020 hat Tesla das Model 3 stark rabattiert, zusammen mit dem Umweltbonus und unter Berücksichtigung der laufenden Kosten fahre ich nach wenigen Jahren schon preiswerter, als mit einem Verbrenner – den riesigen Spaßfaktor mal ganz außer Acht gelassen.

Ich habe eine Eigentumswohnung in einem älteren Haus aus den 1970ern. Die anderen Eigentümer wollen von E-Mobilität nichts wissen. Eine eigene Wallbox ist deshalb schwer umzusetzen, da größere Arbeiten notwendig wären. Da ich in NRW wohne, ist die Ladesäulen-Dichte in Ordnung, sodass ich immer zügig einen Ladepunkt finde, auch wenn ab und an mal einer defekt ist. Schade ist allerdings, dass es sehr wenig Schnellladepunkte gibt. Im Alltag muss ich mich deshalb manchmal mehr als mir lieb ist nach den Bedürfnissen des Autos richten. Das Laden bei Aldi oder Kaufland während des Einkaufs ist dagegen super und ich würde mir wünschen, dass das künftig häufiger anzutreffen ist.

Mein größter Kritikpunkt ist der derzeitige Tarifdschungel. Ich wünsche mir mehr Stationen, an denen ich einfach meine NFC-fähige Kreditkarte dranhalte und das Laden startet. Ich habe aktuell sieben Ladekarten, einfach aus dem Bedürfnis heraus, stets auf der sicheren Seite zu sein. Mich nervt es, immer eine andere App verwenden zu müssen, um mir den für die Station geltenden Preis herauszusuchen. Und genau dann hat man die in diesem Moment günstigste Ladekarte doch nicht im Portemonnaie.

Benjamin (25) aus Neustrelitz:

Ich bin seit 2017 elektrisch unterwegs – damals noch mit einem BMW i3. Ich hab ein gutes Leasing-Angebot bekommen und dachte, ich trau mich mal und probiere es aus. Damals waren die meisten Ladesäulen noch kostenlos, was ein zusätzlicher Anreiz war. Aktuell fahre ich ein Tesla Model 3 Performance.

Das Thema Ladeinfrastruktur war für mich nie ein Hinderungsgrund. Ich habe mich damals informiert, wo Ladesäulen in der Umgebung sind, und fand eine kostenlose nur 500 Meter entfernt. Aktuell sieht es so aus, dass ich alle paar Tage mein Auto zur Ladestation bringe und wieder nach Hause laufe. Früher hab ich mein Auto immer über Nacht dorthin gebracht. Es gibt hier genug Ladesäulen für die Anzahl Autos, deshalb ist so gut wie immer eine frei.

Dennoch würde ich mir mehr Ladesäulen an Supermärkten, Bahnhöfen, Parkplätzen und in Parkhäusern wünschen – mit transparenteren Tarifen und Preisen, die sich nicht ständig ändern. Auch bei der Zuverlässigkeit muss nachgebessert werden. Es kann nicht sein, dass manche Stationen monatelang defekt sind und sich niemand darum kümmert.

Elektroauto akku

Viele Elektroauto-Fahrer*innen wünschen sich mehr Ladesäulen, die vor allem auch zuverlässig funktionieren. (Foto: Mike Flippo/ Shutterstock)

Gregor (50) aus Berlin-Charlottenburg:

Im vergangenen Spätsommer haben wir uns für einen BMW i3s als Leasing-Fahrzeug entschieden. Einerseits haben mehrere Freunde und Bekannte davon geschwärmt und andererseits war dies eines der wenigen Fahrzeuge, die noch in 2020 lieferbar waren.

Dass wir nicht die Möglichkeit haben, privat zu laden, hat mich tatsächlich nie zögern lassen. Ich wollte es von Anfang an ausprobieren und sehen, ob es funktioniert. Wir haben hier sechs Ladeparkplätze fußläufig von unserer Wohnung entfernt. Und einen Lidl mit Ladestation.

Inzwischen habe ich zwei Ladekarten: die eine von BMW, die andere vom ADAC. Bisher haben wir aber nur einmal mit der BMW-Karte geladen, da die Preise dort relativ teuer sind. Probleme hatten wir beim öffentlichen Laden bislang keine.

Was mich allerdings stört: Die Preismodelle beim Laden sind schon recht willkürlich und sollten reguliert werden. Das alles erinnert mich an den frühen Mobilfunk und die hohen Roaming-Gebühren. Ein Eingreifen respektive eine Förderung von Seiten des Staates würde hier sicherlich helfen.

Michael (45) aus der Metropolregion Nürnberg:

Anfang 2018 suchten wir nach einem Ersatz für unser zweites Auto. Fahranforderung war bei uns der tägliche Arbeitsweg meiner Frau mit insgesamt 65 Kilometern und zwei Drittel Autobahn. Da ich mich schon immer für Technik interessiert habe und mein Bekanntenkreis gute Erfahrungen mit der Elektromobilität gemacht hat, haben wir Probefahrten mit dem BMW i3s sowie dem Zoe gemacht. Am Ende wurde es dann der BMW.

Vorab haben wir uns natürlich Gedanken gemacht, wie wir das ohne private Ladestation bewerkstelligen können. Hier hat geholfen, dass der Chef meiner Frau sehr aufgeschlossen beim Thema Mobilität ist. Auf Nachfrage hat er eine Ladesäule installieren lassen. Hier lädt der i3 hauptsächlich und den Rest, wenn überhaupt nötig, laden wir beim Einkaufen.

Generell würde ich mir wünschen, dass das Thema Abrechnung einfacher wird. Am Liebsten à la Tesla über das Auto und die automatische Kommunikation zwischen Ladesäule und Fahrzeug. Zudem sollte es insgesamt mehr Ladesäulen geben, vor allem Schnelllader, die man während des Einkaufs nutzen kann. Aber auch AC-Ladesäulen für Laternenparker.

Michael (30) aus Wolfsburg:

Ich fahre einen VW ID 3 als Dienstwagen und unterstütze damit meinen Arbeitgeber bei der Transformation. Ich gehe sozusagen als gutes Beispiel voran.

Eine private Wallbox war für mich in meiner Mietwohnung nie ein Thema. Als ich mich dann das erste Mal mit den öffentlichen Lademöglichkeiten auseinandersetzt habe, zeigte sich, dass es ausreichend Ladestationen in meiner Umgebung gibt. Sogar mehr, als ich vermutet hätte. Im Alltag lade ich meistens an meinem Arbeitsplatz, das ist komfortabel und spart sogar Zeit, da der Tankstellenbesuch wegfällt. Außerhalb der Arbeit nutze ich lediglich Schnellladesäulen, da mir die anderen zu langsam sind.

Die Abdeckung ist insgesamt schon ganz gut, muss aber bei immer mehr E-Autos noch besser werden. Und noch viel wichtiger: Das flächendeckende Ladenetzwerk sollte mit grünem Strom betrieben werden, sodass es auch einen wirklich positiven Effekt für die Umwelt gibt.

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